Montag, 21.05.2012
Ökologisch modisch mit Milch
Das Thema Nachhaltigkeit ist auch in der Textilbranche angekommen, und alle großen Textilketten können mit Produkten aus Bio-Baumwolle ökologisch bewusste Kunden bedienen. Anke Domaskeaus aus Hannover geht mit ihrem Projekt ›Qmilch‹ einen anderen Weg.
Die Mikrobiologin und Designerin hat aus ihrer ungewöhnlichen Berufskombination ein außergewöhnliches Produkt geschaffen: Mode aus Milch. Zusammen mit der Fachhochschule Hannover entwickelte sie ein Verfahren, bei dem aus Kasein, dem pulverisierten Milcheiweiß, eine Textilfaser hergestellt werden kann, berichtet der Landvolk Pressedienst. »Man kann sich das wie Backen vorstellen«, erklärt die 28-jährige Designerin die Experimentierphase.
Sie habe unzählige Proportionen und Zutaten ausprobiert, bis das gewünschte Ergebnis erzielt wurde. Insgesamt 2 Jahre hat es gedauert, bis Domaske ein Patent für die Milchfaser angemeldet hat – erstaunlich schnell.
Nachhaltig ist diese Milchfaser dabei in mehrfacher Hinsicht. Zum einen werden für die Produktion von 1 kg des innovativen Materials nur 2 l Wasser benötigt, zum anderen handelt es sich bei dem Grundstoff Kasein nicht um ein Lebensmittel, sondern ein Abfallprodukt. Den geschmeidigen, glatten Kleidern sieht man das nicht an. Die Frühjahrskollektion 2012 soll bereits zu 30% aus Milchfasern bestehen, die mit Viskose-Jersey und Elastan verwoben sind.
Derzeit arbeitet Domaske daran, das Herstellungsverfahren der Milchfasern zu verbessern. Das Fibre Faserinstitut Bremen e.V., mit dem die Designerin und Mikrobiologin kooperiert, produziert derzeit 2 kg Milchfasern pro Stunde. Domaskes Ziel ist es, 70 kg pro Stunde in eigenen Produktionsstätten herzustellen, und mit Milch ökologisch modisch anzuziehen. © LPD / Igor Kolos (Fotolia)
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